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...nicht in der Kirche beheimatet, zumindest nicht in der evangelischen. Ganz klar ist Eléion als kulturellen Anlass zu sehen.
Eléion als «Visualisierung des Orgelspiels» ist für den Organisten Rudolf Meyer die Verwirklichung eines lange gehegten Traumes. «Ich lebe davon, dass ich immer wieder Neuland betrete», erklärt er die gedankliche Entstehung des Projektes. Er nennt es ein «Hin – und Herschwingen zwischen Auge und Ohr».
Marion Eberhard, Tagblatt Winterthur, 9. Nov. 2000
 
Eléion – mit live Orgel (wird nur in Kirchen getanzt)
 

LANG BEWEGT - BEWEGUNG SCHWINGT
Musik und Tanz sind seit je aufeinander bezogen. Musik ist Bewegung in Rhythmus und Klang, Tanz ist Bewegung in Rhythmus und körperlichem Ausdruck. Die elementare Verbindung von Tanz und Musik stiftet Ausdruck von grosser Dichte und weitreichender Kraft.
Die kritische Wahrnehmung eben dieser Kraft hat unter anderem dazu geführt, dass im kirchlichen Bereich Musik und Tanz getrennt wurden. Sakrale Tänze hatten ihren oft magisch begriffenen Ort in jenen Kulten, die aus christlicher, traditioneller Sicht gerade deshalb als «heidnisch» empfunden wurden, weil in ihnen Bewegung weniger auf Anschauung als auf umfassende Vereinnahmung zielte. Was verborgen, «unanschaubar» wirkt, sollte nicht von Priestern, Predigern, Liturgen nach ihrem Konzept verwirklicht werden, sondern unverfügbares Geheimnis bleiben, an das bloss erinnert wird. Von daher wird verständlich, weshalb der Tanz im Verlauf der Kirchengeschichte keinen Ort im Gottesdienst bekommen hat. Freilich hat dann just die Reformation mit dem neuen Kirchenlied den Rhythmus als eigenständiges Gestaltungselement eingeführt und damit auch gesungene Tanzformen.

Als Kunstform indessen hat Tanz eine reiche Vielfalt von Formen entwickelt, die je nach Zusammenhang eher auf Demonstration oder auf Konzentration, auf Darstellung oder auf Abstraktion von innerem Geschehen zielt.
Da in der Kirchenmusik Tanzformen in der Liedliteratur wie im textunabhängigen Musizieren seit langem ihrem Ort hatten, ist es kulturell von eminentem Interesse, das Projekt von SOMAFON und Rudolf Meyer zu verwirklichen. Moderne Formen von Choreographie und Tanz erfreuen sich heute eines grossen Interesses und konfrontieren sich mit vielen «Stoffe» aus Tradition und Aktualität.
Die weiten Kirchenräume mit ihren klanglich reichen Orgeln bieten dazu ein anregendes Gegenüber.
Die Musik von Johann Sebastian Bach, Willy Burkhard und Jehan Alain drängt sich aus verschiedenen Gründen quasi auf für ein derartiges Projekt. Mit Ausnahme von Alain handelt es sich um Musik, die nicht Tanz zum Thema hat, aber von kraftvoller und streng konzipierter innerer Bewegung geprägt ist die also den Tanz als Gegenüber sucht.

Alain`s drei Tänze wiederum sind in sich so abstrakt, dass sie den Tanzenden kaum Vorgaben doch vielfarbige Anstösse antragen. So ist der Sinn dieses Projektes primär darin zu sehen, eine differenzierte Begegnung zweier grundlegend menschlicher Kunstformen anzuregen und daraus nachvollziehbare Verbindungen über die fundamentalen Unterschiede hinweg zu entfalten. Dabei sind vielfältige Interaktionen zu erwarten: das Nachvollziehen der tänzerischen Bewegung im Konkreten Musizieren einer gegebenen Partitur, das Umsetzen von musikalischem Ausdruck in tänzerische Form, wie das kontrastierende Aufbrechen der letztlich nicht überbrückbaren Gegensätze in der jeweiligen Metaphorik und Konkretion.
Dass solches Unterfangen auf ein reges Publikumsinteresse stösst, können wir aus der Erfahrung mit kleineren Formen solchen Arbeiten aus den vergangenen Jahren aufzeigen. Dabei ergeben sich wiederum Begegnungen von Menschen, die sich je in sehr verschiedenen Kultur und Lebensbereichen verorten. So dient das Projekt zum einen dazu, Kommunikation über weiten Abstand in Wahrnehmung und Gestaltung zu ermöglichen. Und zum andern will es bewusst Begegnung zwischen Menschen anregen, die sich sonst kaum mit denselben Kulturformen auseinandersetzen.


Initiator

Rudolf Meyer

Orgel

Rudolf Meyer , Andreas Jost

Choreographie

Brigitta Schrepfer

Tanz

Udo Kawasser, Judith Rohrbach, Sarah Albisser

Lichtdesign / Technik

Michael Omlin, Philipp Oetli

Bühnenbild

Brigitta Schrepfer / Realisation: Sceno, Anet Erismann

Kostüme

Brigitta Schrepfer , Catharina Strebel /
Schneiderin: Esther Gabriel

 
Medienstimmen Eléion nach oben

Gerade die einfachsten, reduzierten Gesten begannen zu wirken. Die Tänzer konnten sich gelassen geben, und Ihr Körperspiel zeigte absurde oder gar gruselige Noten; da waren überraschende Formationen zu sehen, in denen sich die Einzelkörper in abstrakte Raummuster auflösten, verstrickten, wieder auseinander stoben und der mächtigen Orgel so beinahe Paroli boten.
Christina Thurner, Neue Zürcher Zeitung, 11. Nov. 2000

Als ein Ereignis von eindrucksvoller Wirkung entpuppte sich am Donnerstagabend am in der Stadtkirche die Uraufführung von «Eléion» im Rahmen des Orgel-Herbst-Zyklus 2000.
Während Rudolf Meyer an der grossen Orgel die Klänge sprühen liess, setzte im Chor der Kirche eine sich steigernde, raumgreifende Bewegungsdynamik ein, die in beinahe akrobatischen Verzahnungen und Überwälzungen der Körper ihren Höhepunkt fand.
Anja Bühnemann, Der Landbote, 13. Nov. 2000

Tanz als Bewegung ist etwas, das für die Zukunft öffnet - durch Verharren aber wird sie verschlossen. Dieser Abend ist selber ein Stück Zukunft. Das Projekt hat einen innovativen Aspekt: Tanz ist normalerweise nicht in der Kirche beheimatet, zumindest nicht in der evangelischen. Ganz klar ist Eléion als kulturellen Anlass zu sehen.
Eléion als «Visualisierung des Orgelspiels» ist für den Organisten Rudolf Meyer die Verwirklichung eines lange gehegten Traumes. «Ich lebe davon, dass ich immer wieder Neuland betrete», erklärt er die gedankliche Entstehung des Projektes. Er nennt es ein «Hin – und Herschwingen zwischen Auge und Ohr».
Marion Eberhard, Tagblatt Winterthur, 9. Nov. 2000

Impressionen Eléion
Fotos von Bernhard Fuchs
 

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